5. Runder Tisch: Handwerk und Verwaltung im Austausch für nachhaltiges Bauen

Beim 5. Runden Tisch der Zukunftsregion Mitte Niedersachsen wurde einmal mehr deutlich: Die Transformation im Bauwesen gelingt nur gemeinsam. Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Handwerk, Planung und weiteren Bauakteuren aus Verden, Diepholz und Nienburg waren Ende April in Nienburg auf dem beeindruckenden BD Campus der Brüggemann Dächer GmbH in Liebenau zu Gast, um über nachhaltiges Bauen, konkrete Kriterien dafür und den Weg zur praktischen Umsetzung zu diskutieren. 

Bereits die Wahl des Veranstaltungsortes setzte ein starkes Zeichen: Der moderne Schulungscampus der Firma Brüggemann bot nicht nur den räumlichen Rahmen für den Austausch, sondern machte sichtbar, welche Bedeutung Weiterbildung, Innovationskraft und handwerkliche Kompetenz für die zukunftsfähige Veränderung des Bauwesens haben. Mit über 55 Jahren Unternehmensgeschichte steht die Brüggemann Dächer GmbH beispielhaft für die Verbindung von Tradition, Qualität und Innovation im Bauhandwerk.

Ein gemeinsamer Tisch für Verwaltung und Handwerk

Im Mittelpunkt des Treffens stand der Austausch zwischen Verwaltung und Handwerk: dieser Austausch wurde von vielen Teilnehmenden als besondere Stärke des Formats hervorgehoben. Selten sitzen Vertreterinnen und Vertreter aus Bauämtern, Kommunen, Handwerksbetrieben und Planung so intensiv an einem gemeinsamen Tisch, diskutieren Herausforderungen offen und entwickeln gemeinsam Perspektiven für nachhaltiges Bauen in der Region.

Gerade die unterschiedlichen Blickwinkel sorgten für einen praxisnahen und konstruktiven Dialog. Viele Teilnehmende betonten später in den Feedbackrunden, wie wertvoll die direkte Begegnung zwischen den verschiedenen Akteursgruppen gewesen sei. Der Runde Tisch wurde mehrfach als Format beschrieben, das „konkrete Lösungsansätze und klar anwendbare Richtlinien“ erarbeite – statt bloße „Worthülsen“ zu schaffen.

Fachlicher Input aus der Praxis

Die fachlichen Impulse von Brüggemann Dächer GmbH und Thies Holzbau GmbH machten deutlich, welches Know-how bereits heute im regionalen Handwerk vorhanden ist. Heiner Lüpkemann vom BD Campus sprach darüber, wie stark sich das Verständnis von Baustoffen und Bauqualität in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Mit einem augenzwinkernden Rückblick formulierte er:

„Früher haben wir gesagt: alles was ordentlich stinkt hält auch länger – aber das hat sich längst überholt.“

Gleichzeitig machte er deutlich, dass Deutschland in Sachen Holzbau gewaltiges   Entwicklungspotenzial hat:

„Da gibt’s auch schon so einige Länder, die viel weiter sind als wir hier.“

Die Beiträge zeigten anschaulich, dass nachhaltiges Bauen längst kein Nischenthema mehr ist, sondern zunehmend den Baualltag prägt. Stephan Gronemeyer von Brüggemann Holzbau erläuterte, welche Rolle öffentliche Auftraggeber dabei bereits heute spielen. Rund 50 Prozent der Kundschaft des Unternehmens stammen aus der öffentlichen Hand, weitere etwa 30 Prozent aus der Industrie und rund 20 Prozent aus dem privaten Bereich. Was deutlich macht, welchen immensen Einfluss Kommunen und öffentliche Einrichtungen auf zukünftige Bauweisen und Materialentscheidungen haben.

Besonders eindrücklich formulierte Gronemeyer die Notwendigkeit zum Wandel:

„Einfach immer so weitermachen wie bisher, das macht einfach keinen Sinn.“

Auch Lars Thies von Thies Holzbau gab Einblicke in die praktische Umsetzung nachhaltiger Holzbauweise und brach insbesondere eine Lanze für das Thema Serielle Sanierung. Auch der Vertreter des traditionellen Dörverdener Handwerksbetriebs beeindruckte durch die gezeigte Innovationskompetenz. Ein praktisches Beispiel aus dem Bereich der Seriellen Sanierung:

Durch das Erstellen eines „Digitalen Zwillings“ des zu sanierenden Hauses und der exakten Vorproduktion der für die Sanierung benötigten Bauteile kann minimalinvasiv gearbeitet werden – auch bei großen Umbauarbeiten müssen die Bewohner*innen ihre Wohnungen oftmals nicht verlassen und haben nur minimal Baulärm und -schmutz zu ertragen.

Die Innovationsfähigkeit der vorgestellten Holzbaukonzepte und insbesondere auch die in der Zukunftsregion vorhandene Kompetenz dafür hat sich in den Vorträgen von Brüggemann und Thies eindrucksvoll gezeigt. 

Vom Input in die aktive Zusammenarbeit

Nach den fachlichen Vorträgen wurde der Entwurf der gemeinsam mit dem Runden Tisch entwickelten „7 Kriterien zum nachhaltigen Bauen in der Zukunftsregion Mitte Niedersachsen“ durch Luna Grommes von der Bildungsoffensive für Nachhaltiges Bauen Mitte Niedersachsen vorgestellt. Anschließend ging die Veranstaltung in einen interaktiven Arbeitsmodus über.

Nach einer gemeinsamen Mittagspause und Verpflegung über die Campusküche wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen aufgeteilt. Während eine Gruppe einen sogenannten Gallery Walk durchlief und an verschiedenen Stationen über Kriterien, Herausforderungen und notwendige Rahmenbedingungen für nachhaltiges Bauen im Handwerk diskutierte, beschäftigte sich die andere Gruppe mit praktischen Lern- und Wissensformaten. Dabei wurden unter anderem messbare Nachhaltigkeitsindikatoren wie Treibhausgaspotenzial (GWP), nicht erneuerbare Energien (PENRT) und Materialfußabdruck (RMI) anschaulich und „zum Anfassen“ vermittelt. Anschließend tauschten die Gruppen, sodass alle Teilnehmenden beide Formate erleben konnten.

Die Kombination aus fachlichem Austausch und praktischer Wissensvermittlung wurde in den Feedbackrunden als besonders positiv hervorgehoben. Viele Teilnehmende lobten die Praxisnähe der Veranstaltung sowie die Möglichkeit, komplexe Themen verständlich und konkret zu erleben und zu diskutieren.

Offene Diskussionen und gemeinsames Lernen

In den Rückmeldungen zeigte sich insgesamt ein sehr positives Bild der Veranstaltung. Besonders häufig wurde der intensive Austausch, die aktive Beteiligung aller Teilnehmenden und die gute Zusammenarbeit zwischen Behörden, Planung und Handwerk hervorgehoben.

Positiv bewertet wurden außerdem die Praxisbeispiele sowie die Darstellung von Energie- und CO2-Werten verschiedener Baustoffe und Produktionsketten. Mehrere Teilnehmende äußerten den Wunsch, diese Informationen künftig noch stärker auszubauen und auch nach Handreichungen für den Arbeitsalltag, welche die komplexen Informationen übersichtlich darstellen. Diese werden wir zeitnah erstellen und kostenfrei zur Verfügung stellen.

Gleichzeitig wurden auch Herausforderungen offen angesprochen. Auch Themen wie personelle Ressourcen, Finanzierungsfragen oder die praktische Umsetzung nachhaltiger Kriterien spielten in den Diskussionen eine Rolle. Insgesamt aber überwog der Eindruck, dass sich die Zukunftsregion bereits auf einem guten Weg befindet. Der regelmäßige Austausch zwischen Praxis, Verwaltung und Politik schafft eine wichtige Grundlage dafür, nachhaltiges Bauen Schritt für Schritt stärker in die kommunale Realität zu überführen.

Gemeinsam die Bauwende gestalten

Was braucht die Bauwirtschaft für die Umsetzung nachhaltiger Kriterien? Das war eine der Fragen von uns als Bildungsoffensive an die Runde. Die Antwort: Vor allem klare, messbare und möglichst verbindliche Vorgaben, an denen sich Verwaltung, Planung und Handwerk gemeinsam orientieren können. Der Runde Tisch hat gezeigt, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und auch zum Gehen neuer Wege groß ist – jetzt gilt es, dieses gemeinsame Verständnis weiter in konkrete und praktikable Rahmenbedingungen für nachhaltiges Bauen zu überführen.

Beim 5. Runden Tisch auf dem BD Campus sind wir einen weiteren, wichtigen Schritt in diese Richtung gegangen: mit fachlichem Input, ehrlichen Diskussionen und Spaß am Lernen. Und vor allem mit Bauakteur*innen, die bereit sind, gemeinsam und mit Veränderungswillen an einer nachhaltigen Zukunft des Bauens zu arbeiten.

Eines ist an diesem Runden Tisch besonders deutlich geworden: den Schuh nicht mit der Zeit zu gehen oder gar Innovationsbremser zu sein, den zieht sich das traditionelle Handwerk in der Zukunftsregion Mitte Niedersachen nicht an – beim 5. Runden Tisch konnten wir das Handwerk eindrucksvoll als die treibende Kraft für die Zukunft des Nachhaltigen Bauens erleben. 

Bauakteur*innen, welche die nächsten Schritte gemeinsam mit uns gehen möchten, sind zum 6. Runden Tisch eingeladen. Bei Interesse melden Sie sich bitte mit Betreff „6. Runder Tisch“ unter veranstaltung@biwena.de und wir geben Bescheid wenn Ort und Zeit feststehen.

Das Projekt „Bildungsoffensive Nachhaltiges Bauen Mitte Niedersachsen“ wird durch die Europäische Union und durch den Landkreis Diepholz, Landkreis Nienburg/Weser und den Landkreis Verden im Rahmen der Zukunftsregion Mitte Niedersachsen gefördert.